FFH Gebiete in Niedersachsens Privatwäldern

FFH Gebiete in Niedersachsens Privatwäldern – Waldeigentümer geben einen aktuellen Überblick

Die Richtlinie Natura 2000 wurde schon 1992 von der EU verabschiedet. Ein langer, holpriger Weg dem dann die Gebietsausweisung folgte. Nun, 25 Jahre später, ist die konkrete Umsetzung in den Regionen Niedersachsens angekommen. Der letzte Schritt, die konkrete „Unterschutzstellung“ der schon längst ausgewiesenen Gebiete, wird von den Unteren Naturschutzbehörden (UNB) koordiniert und umgesetzt. Hierfür läuft eine Basisdatenerfassung vorweg. Bis Ende 2018 muss Niedersachsen die Unterschutzstellung als vollzogen an die EU gemeldet haben. Danach sollen bis 2020 Managementpläne in Abstimmung mit allen beteiligten Akteuren erstellt werden.  

Auch Waldflächen aus dem Privatbesitz fallen unter das EU-weite Schutznetz, das 18% der Landfläche (und 6% der Meere) der 28 EU Staaten umspannt. Bei der Meldung von FFH Flächen an die EU wurde den Grundeigentümern immer zugesagt, dass es keine Auflagen über ordnungsgemäße Forstwirtschaft hinausgeben wird. Derzeit scheint es, dass dieses politische Versprechen nicht eingehalten wird.

Drei Waldeigentümer und Vorstandsmitglieder des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen e.V. aus unterschiedlichen Regionen Niedersachsens berichten über die aktuelle Lage.

Ein wesentlicher Diskussionspunkt ist die Definition des Schutzstatus. Soll der Schutz durch den Status eines Naturschutz- (NSG) oder eines Landschaftsschutzgebietes (LSG) erzielt werden? Wie sieht es mit der Eigentümerbeteiligung aus? Ziel von Natura 2000 ist es, das langfristige Überleben von gefährdeten Arten und Habitaten zu sichern. Viele, gerade dieser Arten und Habite, sind durch die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder gesichert worden. Dies scheint in den Diskussionen um die rechtliche Auslegung vergessen zu werden. Lesen Sie selbst!

Interview mit Heinrich v. Brockhausen, Privat-Forstdirektor i.R. Emsland/Bentheim

1. Wie sieht es mit diesem Umsetzungsvorgang in Ihrem Landkreis aus?
In der Grafschaft Bentheim wurden bislang vorrangig kleinere FFH-Gebiete als NSG`s ausgewiesen. Für die beiden größeren FFH-Gebiete Samerrott und Bentheimer Wald streben die Eigentümer zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde die Ausweisung eines LSG an. Die Gespräche sollen Anfang 2018 beginnen.

2. Wie groß ist die Betroffenheit für die Waldbesitzer in Ihrer Region?
Das FFH-Gebiet Samerrott umfasst ca. 300 ha und das FFH-Gebiet Bentheimer Wald liegt bei 820 ha. Prägend ist u.a. der Lebensraumtyp „Stieleichen-Hainbuchen-Wald“. Die Betroffenheit der privaten Waldeigentümer ist nicht unerheblich. Allein die Vorgaben des Walderlasses in Bezug auf die Totholzanteile bringen den Eigentümern des Samerrott ca. 320.000 € Ertragseinbußen. Für den Bentheimer Wald wird unter den derzeitigen Gesichtspunkten ein Mehrfaches erwartet.

3. Gibt es schon Lösungsansätze für die Situation?
Es wird darauf ankommen in den angestrebten LSG`s Kompromisse in der Auslegung des Walderlasses zu finden, damit eine ordnungsgemäße Forstwirtschaft, die im Übrigen zu dem heutigen Erhaltungszustand der Lebensraumtypen geführt hat, weiterhin gewährleistet werden kann. Besondere Leistungen müssen über die Instrumente des Vertragsnaturschutzes finanziell abgegolten werden.

4. Was wäre IHR persönlicher Wunsch? Wie sollte sich die Situation bis 2020 entwickeln?
Mein Wunsch ist, dass es uns gelingt eine LSG-Verordnung mit dem Landkreis zu erarbeiten, die es den Eigentümern ermöglicht auch weiterhin ihren Waldbesitz eigenverantwortlich und nach den Grundsätzen der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft zu bewirtschaften. Ohne die großartigen Leistungen der Eigentümer gäbe es heute keine FFH-Gebiete, daran muss sich auch die Managementplanung ausrichten.

5. Für ein erfolgreiches Management der Natura 2000-Gebiete ist die Kooperation mit Nutzern der Flächen unverzichtbar. Wie sind Sie sich in Ihrer Region in dem Prozess eingebunden? Im Landkreis Grafschaft Bentheim besteht ein gutes Verhältnis der Waldbesitzer zur Unteren Naturschutzbehörde und den Naturschutzverbänden. Es basiert auf gegenseitigem Vertrauen, Transparenz und Kompromissbereitschaft. Der Waldbesitz geht davon aus, dass dieses gute Verhältnis eine Fortsetzung bei den Gesprächen um eine LSG-Verordnung und der Managementplanung findet.

6. Welche Tipps können Sie aus Ihrer Erfahrung an andere Waldbesitzer in Niedersachsen weitergeben?
Die Waldbesitzer haben im Zusammenhang mit der FFH-Richtlinie eine „Holpflicht“, d.h. sie müssen sich direkt an die Unteren Naturschutzbehörden wenden, um herauszufinden, wo und in welchem Umfang sie von der Richtlinie betroffen sind. Sie werden dabei gerne von den Forstbetriebsgemeinschaften und den Forstämtern der Landwirtschaftskammer Niedersachsen unterstützt. Wie in vielen anderen Lebensbereichen gilt auch hier der Grundsatz „man muss sich kümmern“!

Interview mit Johannes Meyer zum Alten Borgloh, Vorsitzender Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd 

1. Wie sieht es mit diesem Umsetzungsvorgang in Ihrem Landkreis aus?
Wer sagt, dass etwas muss! Es besteht Konsens zum LSG. Es besteht ein Verordnungsentwurf des Landkreises Osnabrück, der von uns nicht akzeptiert wird. Wir haben mit allen Fraktionen des Landkreises Osnabrück eine Forstexkursion im FFH-Gebiet Kleiner Berg (zwischen Hilter-Bad Laer-Bad Rothenfelde) durchgeführt und sind auf viel Verständnis gestoßen.

2.Wie groß ist die Betroffenheit für die Waldbesitzer in Ihrer Region?
Die Betroffenheit ist sehr groß. Die 299 Waldbesitzer von den 2.300 ha im Teutoburger Wald (Kleiner Berg) fühlen sich entmündigt und um die Früchte ihrer Arbeit und der Arbeit der Vorfahren gebracht. 

3. Gibt es schon Lösungsansätze für die Situation? 
Die Diskussionen dauern an. Die CDU Kreistagsfraktion hat uns zugesichert, keinen Verordnungstext zuzustimmen, mit dem die Waldbesitzer nicht leben können, ein erster Erfolg. Morgen sind wir zu einer Arbeitssitzung Umwelt der SPD/UWG-Gruppe eingeladen, wo wir unsere Argumente vortragen und diskutieren werden.

4. Was wäre IHR persönlicher Wunsch?
Wie sollte sich die Situation bis 2020 entwickeln? Da die Biotope durch Bewirtschaftung entstanden sind, muss ordnungsmäßige Forstwirtschaft weiter möglich sein. Bewirtschaftungseinschränkungen müssen entschädigt werden!

5. Für ein erfolgreiches Management der Natura 2000-Gebiete ist die Kooperation mit Nutzern der Flächen unverzichtbar. Wie sind Sie sich in Ihrer Region in dem Prozess eingebunden? 
Wir waren von Beginn an eingebunden, aber in den Sachfragen sind wir noch sehr weit auseinander.

6. Welche Tipps können Sie aus Ihrer Erfahrung an andere Waldbesitzer in Niedersachsen weitergeben?
Unsere Verfassungsväter haben das Recht auf Eigentum zum Grundrecht erklärt. Auch bei den Vereinten Nationen ist es als Menschenrecht sogar im Gebäude in Stein gemeißelt. Wir haben in Osnabrück einen Verein (Kulturlandschaft Osnabrücker Land e.V.) gegründet, der sich gegen Übergriffe auf dieses Grundrecht wehrt. Ich kann nur jedem Betroffenen raten, sich zu wehren.

Interview mit Heiner Beermann, Vorsitzender der FBG Walsrode

1. Wie sieht es mit diesem Umsetzungsvorgang in Ihrem Landkreis aus? 
Einige kleinere Gebiete haben einen NSG Status, in dem größten (5.700 ha) entscheidet der Kreistag nach der Sommerpause über eine von der UNB gewünschte Vergrößerung (Abrundung) der Gebietskulisse und über den Status. Im Moment wird von den Mehrheitsfraktionen ein LSG favorisiert, d.h. für Auwälder und mesophiles Grünland (ca. 2.000 ha) eine NSG Einschränkungen ohne Entschädigung.

2.Wie groß ist die Betroffenheit für die Waldbesitzer in Ihrer Region? 
Da die Gebietskulisse noch nicht feststeht, gehe ich heute von ca. 500 ha im Privatwald aus. Im Verhältnis zur Gesamtforstfläche ist der Anteil gering, allerdings sind einige Waldbesitzer besonders betroffen. Es gibt unterschiedliche Meinungen unter uns zur Frage LSG oder NSG. Bei deutlichen Einschränkungen der Bewirtschaftung halte ich einen NSG Status für zweckmäßiger, weil ein rechtlicher Anspruch auf (unzureichende) Entschädigung besteht.

3. Gibt es schon Lösungsansätze für die Situation? 
Die Kreisverwaltung Heidekreis hatte Arbeitskreise (u.a. Jagd- und Forst) organisiert, die in mehreren Sitzungen unter professioneller Moderation jeweils einen Verordnungsentwurf erarbeiteten. Vertreter der FBG, betroffene Grundeigentümer und fachkundige Vertreter der Landwirtschaftskammer konnten sich einbringen. Wegen des vorgegebenen Rechtsrahmens bei den aufgezeigten Lebensraumtypen konnten die Wünsche und Forderungen der Waldbesitzer nicht hinreichend berücksichtigt werden.

4. Was wäre IHR persönlicher Wunsch? Wie sollte sich die Situation bis 2020 entwickeln?
Bei der Erstellung der Managementpläne sollten FBG, betroffenen Grundeigentümer und fachkundige Mitarbeiter der LWK entscheidend mit eingebunden werden.

5. Für ein erfolgreiches Management der Natura 2000-Gebiete ist die Kooperation mit Nutzern der Flächen unverzichtbar. Wie sind Sie sich in Ihrer Region in dem Prozess eingebunden? 
Durch den Arbeitskreis Forst haben wir bisher einen engen Kontakt zur Kreisverwaltung, zur UNB und zu Kreistagspolitikern. Das Verfahren ist transparent, in Teilen öffentlich und wir konnten den Prozess begleiten. Wir müssen darauf achten, dass dies auch zukünftig so bleibt.

6. Welche Tipps können Sie aus Ihrer Erfahrung an andere Waldbesitzer in Niedersachsen weitergeben? 
Mein Tipp ist „Zeit opfern!“ und den Kontakt zur Kreisverwaltung, insbesondere zur UNB suchen und Informationen anfordern. Hier ist es sicherlich hilfreich, seine Mitarbeit anzubieten; außerdem sollten betroffene Waldeigentümer angesprochen und informiert werden.

Bitte scheuen Sie nicht den Kontakt zu uns, falls Sie von uns Unterstützung zu der Thematik benötigen!