Leistungen der Wälder sind unterbewertet

Gut besucht: Rund 120 Gäste folgten der Einladung des Waldbesitzerverbandes zur Mitgliederversammlung auf die LIGNA nach Hannover

In der Beratung und Betreuung des niedersächsischen Privatwaldes wird sich in der nächsten Zeit einiges ändern. Das war das Hauptthema auf der Mitgliederversammlung des Waldbesitzerverbandes (WBV) Niedersachsen am 23. Mai auf der Messe LIGNA unter dem ExpoDach in Hannover. Darüber hinaus stand die Anerkennung der durch den Wald erbrachten Dienstleistungen im Fokus.

WBV-Präsident Norbert Leben wollte vom Ehrengast der Versammlung, dem Staatssekretär im niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Horst Schörshusen (Grüne), genau wissen, wie sich die Landesregierung die weitere Entwicklung bei der Betreuung des Privatwaldes, der Förderung und der Umsetzung der EU-Richtlinie zu Natura 2000 vorstellt.

Schörshusen erläuterte die geplanten Änderungen zur Beratung und Betreuung des Privatwaldes. "Wir müssen auf diesen Bereich viel Wert legen, weil zukünftig hohe Anforderungen auf die Wälder zukommen", sagte der Staatssekretär. Das Land werde mit der Landwirtschaftskammer zukünftig Zielvereinbarungen über die Beratungsleistungen für den Privatwald treffen, während die Betreuung zwischen Waldeigentümern und Kammer eigenverantwortlich zu regeln sei. Laut Schörshusen dürften die Anforderungen, die von der Gesellschaft an den Wald gestellt werden, nicht zu einer Überforderung für diejenigen führen, die ihn bewirtschaften und pflegen.

Wie man diese Leistungen bewerten kann, erklärte Dr. Norbert Asche vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW am Beispiel des Stadtwaldes Hagen. Laut Asche hat die Forstwirtschaft heute eine Doppelfunktion, nämlich in der Produktion von Holz und in der Bereitstellung von Dienstleistungen für die Bevölkerung in Form von Erholung, sauberer Luft, trinkbarem Wasser und vielem mehr. Diese basierten auf der Funktion des Waldökosystems. Asche: "Nimmt der Mensch diese Funktionen in Anspruch, sind das Leistungen." Allerdings würden diese nicht bezahlt.

Der Wissenschaftler und sein Team hatten anhand der Leistungen des Waldes eine Bewertung für den fast 7000 Hektar großen Stadtwald Hagen im Ballungsraum Ruhrgebiet vorgenommen. Dabei hatten sie u. a. die Komponenten Erholung, Biotop- und Artenschutz, Luftreinhaltung und Holznutzung untersucht. Aber auch die Auswirkungen von Waldnähe auf die Immobilienpreise oder die Klimaschutzleistungen wurden bewertet. Asches Team kam im Rahmen der Studie auf Leistungen in Höhe von 20 Millionen Euro, die vom Stadtwald Hagen pro Jahr erbracht werden.

Waldbesitzerpräsident Norbert Leben schlug den Bogen nach Niedersachsen, denn auch hier erbringen die nachhaltig bewirtschafteten Privatwälder diese Leistungen, und zog folgenden Schluss: "Finanzielle Mittel in den Wald zu geben, ist das Beste, was die Politik machen kann."

 

Bildunterschrift WBV_Niedersachsen_Referenten:

v.l.n.r.: WBV-Geschäftsführerin Miriam Kleinschmit, Staatssekretär Horst Schörshusen, WBV-Präsident Norbert Leben, Festredner Dr. Norbert Asche und AGDW-Geschäftsführerin Petra Sorgenfrei