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Der Parlamentarische Abend des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen stand ganz im Zeichen des Austausches zwischen Politikern und Akteuren des ländlichen Raumes. Philip von Oldershausen, Präsident des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen formulierte bei der Eröffnung ein klares Ziel für den Abend: „Wir wollen Ihnen heute Abend O-Töne aus dem Flächenland Niedersachsen präsentieren, die nicht das Ziel haben Gegensätze darzustellen, sondern aufzuklären und Ideen zu präsentieren“. In ihrem Grußwort nutzte die Landtagsvizepräsidentin Barbara Otte-Kinast die Gelegenheit, um ausdrücklich allen Akteuren zu danken, die sich um den niedersächsischen Wald kümmern. Dabei machte sie deutlich, dass vielen weder der hohe Anteil an Privatwald bewusst ist noch, dass sie beim Wandern häufig im Privatwald unterwegs sind.
Landtagsvizepräsidentin Barbara Otte-Kinast hält das Grußwort zur Eröffnung des Parlamentarischen Abends. (Foto: Florian Schönfeld) Moderator Dr. Christian Schmidt führte Spitzenvertreter und Spitzenvertreterinnen aus Verbänden der Forst- und Landwirtschaft sowie dem gesamten ländlichen Raum durch eine spannende Podiumsdiskussion. In der Diskussionsrunde wurden nicht nur die Perspektiven unterschiedlicher Verbände abgebildet, sondern auch die Sichtweisen verschiedener Generationen. Elisabeth Brunkhorst, Präsidentin des Niedersächsischen LandFrauenverbandes Hannover warb dafür die Zukunft der Vereinsarbeit zu sichern: „Wir brauchen die Vereine als wichtigen Player im ländlichen Raum. Die leiden jedoch häufig unter Nachwuchssorgen, es finden sich nur noch wenige die einen ehrenamtlichen Vorstandsposten übernehmen möchten. Aber haben wir keinen Vorstand, verlieren wir die Vereine und ohne Vereine verlieren wir den ländlichen Raum. Starke Vereine sind jedoch ein Garant für eine gute Demokratie. Und es braucht auch weniger Bürokratie und eine stärkere Berücksichtigung bei der Finanzierung von Projekten für Vereine, die nicht gemeinnützig sind“, erläutert Elisabeth Brunkhorst.
Philip Freiherr von Oldershausen, Präsident des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen, wirbt während der Podiumsdiskussion dafür Anreize zu setzen, anstatt Handlungsspielräume einzuengen. (Foto: Florian Schönfeld) Die Auswirkungen von Bürokratie und Verwaltung auf zukunftsorientierte Projekte ihres Betriebes spürt auch die stellvertretende Vorsitzende des Landfrauen Kreisverbandes Hildesheim, Judith von Hermanni. „Ich habe 5 Jahre für einen Bauantrag gekämpft, für den Bau einer Kartoffel-Kühlhalle. In der Zeit haben sich die Baukosten um ein Vielfaches erhöht und wir mussten auf benötigte Einnahmen verzichten“, berichtet die Leiterin eines landwirtschaftlichen Familienbetriebes. „Die Wirtschaft läuft viel zu schnell für die Bürokratie. Kleine familiengeführte Betriebe werden gehindert sich modern und zukunftsfähig aufzustellen. Somit wird die moderne Infrastruktur auf dem Dorf zerstört“ bemängelte Judith von Hermanni in der Diskussion. Dr. Holger Hennies, Präsident des Landvolkes Niedersachsen, spricht sich für praktikable Entscheidungsprozesse aus, die regionale Gegebenheiten berücksichtigen: „Wir haben in Deutschland große strukturelle Probleme, aus großer Flughöhe lassen sich diese Probleme nicht lösen“. Der Präsident des Landvolkes Niedersachsen forderte von der Politik ganz klar einen Abbau bürokratischer Hürden. Als konkretes Beispiel nannte er die EUDR. „Wir haben in Deutschland kein Entwaldungsproblem, wir brauchen daher dringend die Null-Risiko-Kategorie“, konstatierte der Präsident des Landvolkes Niedersachsen. Ferner sprach sich Dr. Hennies deutlich für eine Einschränkung des Verbandsklagerechtes aus, damit notwendige Modernisierungsprozesse nicht durch übermäßig dimensionierte Beteiligungsprozesse verzögert oder verhindert werden. Jens Jacobi, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst Niedersachsen, thematisierte die Energiewende im ländlichen Raum: „Wir möchten im ländlichen Raum gemeinsam Boden für unsere Zukunft schaffen. Der Ausbau erneuerbarer Energien ist ein Schlüssel, um Betriebe, Kommunen und Regionen widerstandsfähiger zu machen. Wir sollten diese Chancen nutzen – konsequent, zielgerichtet und ohne zusätzliche bürokratische Hürden, die den Fortschritt ausbremsen. Wirtschaft folgt Energie.“ Einen Eingriff in das Eigentum sieht er auch beim Entwurf des Agrarstruktursicherungs- Agrarstrukturverbesserungsgesetzes. In Niedersachsen dauert es 240 Jahre bis 1m2 landwirtschaftlich genutzter Boden verkauft wird. „Wir haben den Beweis erbracht, dass es keiner Regulation bedarf“, so Jens Jacobi Auch Madeleine von Borcke, Vorstandsmitglied der NextGen Familienbetriebe Land und Forst, sieht bürokratische Anforderungen als Hemmnis für den nötigen Fortschritt. „Digitale Innovationen in Land- und Forstbetrieben entstehen längst aus der Praxis heraus – von digitalen Forstkarten über Datenmanagement bis hin zu smarten Maschinen. Doch oft wird der Fortschritt durch Bürokratie, unklare Zuständigkeiten und mangelnde digitale Infrastruktur ausgebremst“, so Madeleine von Borcke. Die niedersächsische Landjugend bringt junge Menschen auf dem Land zusammen. „Unser Leitsatz: Wir bewegen das Land trifft den Nagel auf den Kopf. Aber man merkt schnell, dass gute Ideen in Bürokratie, Vorschriften oder endlosen Diskussionen hängen bleiben“, so Isabelle Pröstler, stellvertretende Landesvorsitzende der Niedersächsischen Landjugend. Als Beispiel nannte sie die erfolgreiche 72 Stunden Challenge, bei denen eine gebaute Wanderer- Schutzhütte zu Streit zwischen Gemeinde und Landkreis hinsichtlich der Baugenehmigung geführt hatte und lange nicht klar war, ob diese wieder abgebaut werden müsste. Der Präsident des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen, Philip Freiherr von Oldershausen machte auf die steigenden Ansprüche aufmerksam, denen die Waldbesitzenden durch Politik, Verwaltung und Gesellschaft ausgesetzt sind. Präsident von Oldershausen erklärt: „Vor allem viele Waldbesitzende fühlen sich mit aktuellen Herausforderungen allein gelassen – sei es durch Gefahren und Bewirtschaftungseinschränkungen infolge der zunehmenden Ausbreitung des Bibers oder durch steigende Schäden, die in einigen Regionen durch Downhill-Fahrer entstehen. Weitere Regulierungen wie die EUDR oder die Naturwiederherstellungsverordnung oder überhaupt die Naturschutzregulierungen führen zusätzlich zu erheblichen Belastungen für die Bewirtschaftung“. Mit seinem Blick in die Zukunft appellierte Martin Werner, Vorsitzender der Jungen Waldeigentümer, gleichzeitig an die Politik und die Akteure der Forstwirtschaft: „Wir müssen die Zukunft der Forstbetriebsgemeinschaften sichern. Wenn wir den Kleinprivatwald am Leben halten wollen, dann braucht es starke Forstbetriebsgemeinschaften“. Auch der Präsident des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen, Philip Freiherr von Oldershausen sprach sich im Rahmen der Podiumsdiskussion für eine Stärkung der Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse aus.
Von links nach rechts: Dr. Christian Schmidt, Moderator; Barbara Otte-Kinast, Landtagsvizepräsidentin; Jens Jacobi, Vorsitzender Familienbetriebe Land und Forst Niedersachsen; Madeleine von Borcke, Vorstandsmitglied NextGen Familienbetriebe Land und Forst; Dr. Holger Hennies, Präsident Landvolk Niedersachsen; Isabelle Pröstler, stellvertretende Landesvorsitzende Niedersächsische Landjugend; Philip Freiherr von Oldershausen, Präsident Waldbesitzerverband Niedersachsen; Elisabeth Brunkhorst, Präsidentin Niedersächsischer LandFrauenverband Hannover; Judith von Hermanni, stellvertretende Vorsitzende des Landfrauen Kreisverbandes Hildesheim; Klaus-Detlef Kröger, Vizepräsident Waldbesitzerverband Niedersachsen; Martin Werner, Vorsitzender Junge Waldeigentümer. (Foto: Florian Schönfeld) Mit dem Parlamentarischen Abend ist es dem Waldbesitzerverband Niedersachsen gelungen, ein klares Zeichen für die Interessen des ländlichen Raumes zu setzen. Die Politik ist gefordert, spürbare Erleichterungen zu schaffen. „Das Einschränken von Handlungsspielräumen weist in die falsche Richtung, privatrechtliche Vereinbarungen sind deutlich wirksamer und flexibler als ordnungsrechtliche Vorgaben. Ein Abbau bürokratischer Hürden und eine geringere Regulierungsdichte wären daher ein zielführenderer Ansatz.“, formuliert Präsident von Oldershausen die klare Botschaft des Abends an die Politiker des Landes Niedersachsen. Klaus-Detlef Kröger, Vizepräsident des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen, geht in seinem Schlusswort auf die erforderliche Kommunikation und enge Zusammenarbeit von Behörden und Politik ein, damit gesetzliche Regelungen so gefasst werden, dass Innovationen gefördert und nicht behindert werden. Weitere Bilder hier: Bilder Parlamentarischer Abend Waldbesitzerverband Niedersachsen 2025
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Aus dem Land – für das Land – an die Politik - Parlamentarischer Abend des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen mit klarer Botschaft an die Politik
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